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21. Mai 2026
Stellungnahme Suisseculture: Die Studie zu den SRG-Kulturleistungen ist ein erster Schritt!
Die SRG hat am 20. Mai eine aktuelle Analyse ihrer Kulturleistungen veröffentlicht. Die Studie des Mileva Instituts ist ein erster Schritt, um die Kulturleistungen der SRG nachvollziehbar zu machen. Notwendig ist eine Verstetigung, eine jährliche Durchführung und eine Präzisierung der Studienanlage als Ausgangsbasis für eine zukünftige belastbare Darlegung der Kulturleistungen der SRG. Suisseculture stellt für diesen Prozess gerne ihre ausgewiesene Expertise in Kulturfragen zur Verfügung und bedankt sich bei der SRG für die partnerschaftliche Zusammenarbeit in diesen – auch für die SRG – existenziellen Fragen.
Die SRG hat am 20. Mai eine aktuelle Analyse ihrer Kulturleistungen veröffentlicht.
Suisseculture bedankt sich für diese Studie, die aus dem engen Dialog zwischen der SRG und Suisseculture erwuchs. Die Studie liefert eine gattungs- und kanalübergreifende quantitative Analyse der Kulturberichterstattung und -vermittlung der SRG und fördert deren Stärken und Schwächen deutlich zu Tage.
Die Studie des Mileva Instituts ist somit ein erster Schritt zu einem kontinuierlichen Monitoring der SRG-Kulturleistungen in diesen zwei Bereichen, welches bisher fehlte. Die Ziele in der Kulturproduktion und -distribution sind für die in der Konzession explizit erwähnten Kultur-Bereiche über Branchenvereinbarungen (vgl. Pacte de l’Audiovisuel, Pacte de l’Industrie, Musik-Charta) verbindlich geregelt und mit jährlichen Reportings dokumentiert – mit Ausnahme der Literatur, wo entsprechende Bestrebungen am Laufen sind. Die Rolle der SRG für die Schweizer Kulturlandschaft ist in diesen Bereichen unentbehrlich und war für die Schweizer Stimmbevölkerung am 8. März 2026 eines der wichtigen Argumente für das klare Nein gegen die SRG-Halbierungsinitiative.
Die vorliegende Studie zeigt anhand einer Stichprobe («künstliche Woche») aus dem Jahr 2025, was die TV- und Radio-Programme sowie die Online- und Social Media-Angebote der SRG für die Kultur und die Kunst in der Schweiz leisten, macht jedoch auch deutlich, wo es dringenden Nachholbedarf gibt.
Die Studie definiert Kultur sehr breit, mit einem starken Fokus auf Populärkultur. Entsprechend hoch ist die thematische Diversität, insbesondere auf den TV-Kanälen.
Beiträge zu Volkskultur («Brauchtum») und populärer Musik machen insgesamt über ein Viertel der analysierten Beiträge aus. Anspruchsvollere Kulturbereiche wie Literatur und Sprache, visuelle Kunst oder Theater sind hingegen je nur mit weniger als 5% der SRG-Kulturberichterstattung und -vermittlung vertreten. Ganz von der Auswertung ausgeschlossen wurden leider die Bereiche Philosophie, Religion und Geschichte. Dies aus methodischen Gründen.
Suisseculture hat ein gewisses Verständnis für den – auch wirtschaftlich begründeten Quotendruck – insbesondere zur Primetime, und somit für die Schwerpunktsetzung auf «traditionelle, massentaugliche und mediennahe Kulturformen» im SRG-Programm. Der Dachverband beobachtet die fortschreitende Marginalisierung von anspruchsvolleren Gefässen und die Abnahme an fundierten Auseinandersetzungen mit kulturellen Inhalten jedoch mit grosser Sorge. Die Studie widerspiegelt somit auch die Auswirkungen der laufenden Spar- und Abbaumassnahmen, u.a. in den Bereichen Literatur-, Musik- oder Filmvermittlung.
Die Studie zeigt weiter, dass Kultur zwar im Tagesprogramm an verschieden Stellen auftaucht, reine Kulturprogramme oder anspruchsvollere Beiträge jedoch oft in die publikumsschwachen Nachtstunden verschoben werden.
Ein weiteres Learning aus der Studie ist, dass der Online-Auftritt der SRG insbesondere für die Kultur eminent wichtig ist. Um den Nachwuchs an die Kultur heranzuführen, wäre es angebracht, diese weiter auszubauen.
Die Studie zeigt auch, dass eine deutlichere Abgrenzung des Kultur- und Unterhaltungsbegriffs nötig ist, wobei es kein Entweder-Oder gibt. Kultur ist auch Unterhaltung, jedoch ist nicht jede Unterhaltung auch Kultur. Hier braucht es für eine Folgestudie dringend eine Begriffsklärung und eine entsprechend verfeinerte «Übungsanlage», um differenziertere Ergebnisse hinsichtlich des SRG-Kulturauftrags zu erhalten.
Ein erfreuliches Resultat der Studie ist, dass die SRG-Kulturleistungen eher einzelnen Kulturschaffenden als etablierten Kulturinstitutionen Sichtbarkeit verleihen. Allerdings wurde nicht zwischen lebenden und verstorbenen Kulturschaffenden unterschieden. Um die Aussagekraft der Analyse der Kulturleistungen zu Gunsten der Schweizer Kulturschaffenden zu verdeutlichen, empfehlen wir zukünftig zudem eine Unterscheidung zwischen Schweizer und ausländischem Kulturschaffen.
Zur Herausarbeitung der Unterschiede in der kulturellen Ausrichtung der einzelnen Unternehmens-einheiten, ihrer Schwerpunkte und deren Auswirkungen auf die Kulturleistungen braucht es ebenfalls noch genauere Untersuchungen, und leider fehlt bei der Studie auch eine Qualitätsanalyse des Programms.
Es liegt im Interesse sowohl des Service public der SRG wie auch der Schweizer Kultur, dass die Kulturleistungen der elektronischen Medien zukünftig in der SRG-Unternehmensstrategie transparent und nachvollziehbar verankert sind und anhand von Zielwerten gemessen werden können.
Suisseculture befasst sich seit einigen Jahren vertieft mit der Frage der SRG-Kulturleistungen und hat im «Konzept über Kulturleistungen im medialen Service public» gefordert, den Kulturauftrag der SRG systematisch zu planen, zu steuern und auszuweisen: differenziert nach den Leistungen Kulturproduktion, Kulturvermittlung und Kulturberichterstattung und über alle Sprachregionen hinweg.
Fazit
Die Studie des Mileva Instituts ist ein erster Schritt, um die Kulturleistungen der SRG nachvollziehbar zu machen. Notwendig ist eine Verstetigung, eine jährliche Durchführung und eine Präzisierung der Studienanlage als Ausgangsbasis für eine zukünftige belastbare Darlegung der Kulturleistungen der SRG. Suisseculture stellt für diesen Prozess gerne ihre ausgewiesene Expertise in Kulturfragen zur Verfügung und bedankt sich bei der SRG für die partnerschaftliche Zusammenarbeit in diesen – auch für die SRG – existenziellen Fragen.
Link zur StudieZwischen Jodeln, Jazz und Jugendliteratur. Eine Analyse der Kulturleistungen der SRG SSR im Rundfunk, online und auf sozialen Medien